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Daumen hoch für "Quartierschulen"

Im ehemaligen Kolack-Gebäude in Kaltbrunn fassen sich die Teilnehmer des sprachlichen Integrationskurses zu mitreissender Musik abwechslungsweise ans rechte Knie und ans linke. Zusammen mit ihrer Kursleiterin machen sie ihre Hirnhälften fit für die Aufnahme neuer Wörter und Sätze in einer ihnen fremden Sprache. Das Ganze heisst «Brain Gym» und ist Teil der Lektionen der frisch gestarteten Quartierschule in Kaltbrunn. Die Quartierschulen setzen dabei auf das Konzept von Liechtenstein Languages (LieLa) und die Methode des neuen Lernens. In einer positiven Lernatmosphäre wird die Sprache mit allen Sinnen – auditiv, visuell und kinästhetisch – gelehrt. Die Erfahrungsberichte aus anderen Gemeinden zeigen, dass die niederschwelligen Lerninhalte, die motivierten Kursleiter und die aktive Lernweise bereits eine mündliche Verständigung in vier Wochen und eine Anwendung in Alltagssituationen ermöglichen.

Ehrenamtliche Kursleiter erteilen Lektionen
Gruppen zu vier Kursteilnehmern sitzen auf dem Boden und Formen aus Knetmasse Möbelstücke. Frau Klein nimmt einen «Chnätti-Ball» und setzt ihn neben den Tisch. Herr Müller kommentiert: «Der Ball liegt neben dem Tisch». Frau Klein nickt Herrn Müller strahlend zu. Frau Klein und Herr Müller tragen im wirklichen Leben andere Namen und sind Asylbewerber, welche in einer Gemeinde der Region wohnen. Daniela Graf, Ansprechperson für die St. Galler Gemeinden, erklärt: «Sowohl Kursteilnehmer wie auch Kursleiter schlüpfen in den Lektionen in eine andere Rolle. Dies ermöglicht ein unbelastetes, barrierefreies Auftreten beider Seiten. Allfällige Traumata der geflohenen Menschen treten in den Hintergrund und alle Beteiligten stehen sich offen und wertungsfrei gegenüber.»

Ausgestattet mit einem Trainerkoffer und eng begleitet von LieLa-Trainerinnen gestalten ehrenamtliche Kursleiterinnen und Kursleiter den insgesamt 60 Stunden umfassenden Lektionenblock, der offen ist für alle Flüchtlinge/Migranten, unabhängig von deren Aufenthaltsstatus. Aktuell liegt der Anteil der Menschen, welche nach abgeschlossenem Asylverfahren hier in der Schweiz bleiben können, bei rund 70 Prozent. Das Verfahren kann aber 1,5-2 Jahre dauern. Darum mache es Sinn, so Konzeptleiter Roger Hochreutener, die Frauen und Männer von Anfang an mit unserer Sprache vertraut zu machen. Auch fremdsprachige Familiennachzüger können diesen Kurs gratis besuchen und sich über die Gemeinden anmelden.

Kreativität, Gruppendynamik und Spass
Der Alltag im Linthgebiet hält für die Neuankömmlinge aus Syrien, Äthiopien, aus Nigeria oder Somalia viele Herausforderungen bereit. Wie lese ich den Fahrplan? Wann muss ich meine Tochter in den Kindergarten bringen? Wo kann ich Hustensirup kaufen? Die Quartierschulen wollen sprachliche Barrieren abbauen, Selbstvertrauen vermitteln und effektive Alltagshilfe leisten. Am Ende des Kurses soll ein sprachliches Fundament für weiterführende Kurse gesetzt sein. Ebenso vermittelt die Quartierschule wichtige kulturelle Eigenheiten und fördert in hohem Masse die Begegnung und Integration.

Bilder, passende Gesten, langsam vorgesprochene Wörter und Sätze der Kursleiter, Geräusche, Musik und Wiederholungen lassen die Kursteilnehmer regelrecht in der Sprache «baden». Die Leiter setzten auf positive Bestätigung und Lob. Falsch ausgesprochene Wörter werden nicht korrigiert, sondern noch einmal korrekt von allen gemeinsam ausgesprochen. Die lockeren, kreativen Sequenzen lassen es zu, dass auch nach drei Stunden eine hohe Konzentration und Motivation zu verzeichnen ist. Rollenspiele, Dialog, Tänze und auch einmal ein Rap sind wahre Türöffner zur Sprache und machen Mut, ohne Hemmungen «ich finde den Weg» oder «gehen Sie gerade aus, dort ist ein Supermarkt» frisch von der Leber weg in der Gruppe zu formulieren. Fazit der ersten Lektionen der Quartierschule in Kaltbrunn: Sprachkenntnisse machen unsere Gesellschaft, unsere Kultur und unsere Werte erlebbar – oder anders ausgedrückt: Gemeinsam mit anderen, in fröhlicher Umgebung die Sprache zu lehren und zu lernen, macht Freude!

Kursleiter gesucht
Es werden weiterhin freiwillige Kursleiter gesucht. Es sind keine speziellen Vorkenntnisse erforderlich. Weitere Informationen erteilt Ihnen gerne das Sozialamt Kaltbrunn, Tel. 055 293 39 23 oder thomas.wey@kaltbrunn.ch.


Datum der Neuigkeit 14. Juli 2017